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Einführende Worte von Bernhard Fricke anlässlich der Aufführung des Rock-Requiems zum Gedenken an Mario Lehner am Freitag, den 19.3.2010 in der Christuskirche.

 

„Alles hat seine Zeit“ (Prediger 3, 1 bis 11)

 

Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit

Zerstören hat seine Zeit, und Bauen hat seine Zeit.

Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit;

Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit.

Steine schleudern hat seine Zeit,

und Steine sammeln hat seine Zeit;

Umarmen hat seine Zeit,

und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit.

Suchen hat seine Zeit

Verlieren hat seine Zeit.

Schweigen hat seine Zeit

Und reden hat seine Zeit

Lieben hat seine Zeit

Und Hassen hat seine Zeit

Krieg hat seine Zeit

Und Frieden hat seine Zeit…

 

 

 

Mario Lehner hat seine Zeit gehabt – seine Zeit ist abgelaufen von 1.6.1950 bis 3.2.2010 (21 800 Tage, ca 500 000 Stunden)

 

Unsere Zeit ist noch nicht abgelaufen – wir können sie noch nutzen, um die Lektionen zu lernen, die wir in diesem Leben noch zu lernen haben.

Ich bin sicher, dass Mario sich freut, dass heute so viele Freunde als Ausdruck von Liebe, Freundschaft in die Christuskirche gekommen sind, an den Ort also, wo  vor 32 Jahren das Rock-Requiem ur- aufgeführt wurde, dem er durch die Ausdruckskraft seiner Stimme, seinem ganz besonderen Gottesgeschenk für dieses Leben, eine ganz persönliche Note – auch in den späteren Aufführungen  gegeben hat. An dieser Stelle möchte ich ganz besonders herzlich seine Frau Joko und seine Familienangehörigen begrüßen.

Dieses Rock-Requiem wird heute zu Marios Ehre aufgeführt – mit vielen Freunden der ersten Stunde aus dem Orchester, dem Chor und den Solisten.

Auch die beiden Komponisten Guntram Pauli und Klaus Haimerl und der Premierendirigent Christian Kabitz ist extra von Würzburg nach München geeilt.

Mario würde sich auch darüber freuen, dass der Frühling, das Fest des wiederaufblühenden Lebens gerade noch rechtzeitig Einzug bei uns gehalten hat.

Wir seine Freunde sind heute in Dankbarkeit hier vereint – und als Zeichen dieser Dankbarkeit Mario gegenüber wollen wir uns die Hand reichen und wollen wir uns in die Augen schauen.

Die Traueranzeige war mit einer Textpassage aus dem Roman „Zauberberg“ von Thomas Mann überschrieben:

 

„ der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tod keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken“

 

Das wollen wir uns heute zu Herzen nehmen – und dem Tod keine Herrschaft über unsere Gedanken einräumen.

Das Wort von Augustinus kann uns Trost genug sein:

 

„ Wir wollen nicht trauern, dass wir ihn verloren, sondern danken, dass wir ihn gehabt haben“

 

Das Wissen, dass wir mit immer mehr Menschen teilen, dass der Tod kein Ende, sondern ein Anfang, ein Übergang zu einer anderen Ebene, zu einem Raum, aus dem wir einstmals gekommen sind und zu dem wir wieder zurückkehren, hilft uns bei aller Wehmut, eben nicht in der Trauer und Wehmut stecken zu bleiben. Alles, was wir aus Nahtodzeugnissen über den Eintritt in das Reich des Todes wissen, muss uns keine Angst machen, im Gegenteil: Immer ist von Licht und unendlichen Frieden die Rede. Deshalb müssen wir uns um Mario keine Sorgen machen – eher um uns selber:

 

 

Jeder Tod erinnert uns machtvoll an die Begrenztheit und Endlichkeit unseres eigenen Lebens.

Wir haben nur eine beschränkte Zeit als Gäste auf unseren einzigartigen und wunderschönen Erde, unsere Mutter, unserem Heimatplaneten zu leben.

Deshalb sollen und dürfen wir nichts aufschieben: das Jetzt ist der kostbarste Moment in unserem Leben:

-        Jetzt: ich liebe dich

-   Jetzt: ich verzeihe dir

-        Jetzt: ich bin dankbar

 

Unseren Liebsten und auch jeden Tag dem himmlischen Vater zu sagen – das ist das, was wir tun können, um damit eine bessere Welt möglich zu machen.

 

Ich bin Mario persönlich sehr dankbar, dass er mit seinen Freunden vom Zauberberg einige Male für uns „David gegen Goliath“ aufgetreten ist – für Toleranz, Lebensfreude und Bewahrung der Schöpfung – das war das Motto unserer Veranstaltungen.

 

Die fortschreitende Zerstörung, die Zunahme von Fanatismus und Egoismus und die totale Kommerzialisierung haben Mario wie uns alle mit Sorge erfüllt.

Mit seiner Musik – seiner wunderbaren Stimme, hat er immer wieder einen Raum geschaffen, in dem Menschen gemeinsam Mut und Kraft finden konnten – für den Kampf für eine bessere liebevollere und gerechtere Welt, in derr sich alle Menschen über alle Religionen, Rassen und Geschlechtern hinweg als Hüter unserer Erde und als Kinder des Alls sich zusammengehörig fühlen.

Und Mario war sich immer als reflektierter Mensch bewusst, dass das was wir im Außen beklagen, immer etwas mit unserem Inneren zu tun hat.

 

„Du kannst nichts ändern außer deinem eigenen Leben – und damit wollen und sollen wir heute anfangen. In diesem Wissen und Wollen sind wir heute  und immer mit   Mario Lehner verbunden.

 

Ich darf Sie und Euch bitten aufzustehen und Euch mit den Händen untereinander zu verbinden und Euch von einem wunderschönen Irischen Segensgruß segnen zu lassen. Dabei dürfen wir uns ganz der tröstenden Gegenwart eines all- liebenden, all – verstehenden, all- verzeihenden und barmherzigen Gottes bewusst sein.

 

 

„Du gütiger Gott geh du vor uns, dass du uns unseren Weg zeigst

Sei Du neben uns, um uns in die Arme zu nehmen und uns zu beschützen

Sei Du in uns, um uns zu trösten, wenn wir traurig sind.

Sei Du um uns herum, um uns zu schützen vor dem Überfall

Sei Du hinter uns, um uns aufzufangen, wenn wir fallen

Sei Du über uns, dass Du uns segnest:

So segne uns Du lebendiger Gott, der Du unser Vater und Mutter zu gleich bist

Segne uns und lass uns ein Segen sein und schenke uns die Kraft und die Freude jeden Tag mehr Liebe und Licht in unsere Welt zu bringen.“