Prophetisches aus Rock und Klassik

Das Rock-Requiem beeindruckt in Würzburg

„Heute vor 22 Jahren ist Tschernobyl in die Luft geflogen.“ Muchtar al Ghusain, Kulturreferent der Stadt Würzburg, erinnerte bei der Wiederaufführung des „Rock-Requiem“ in der vollen Würzburger Johanniskirche am Jahrestag der atomaren Katastrophe daran, dass einer der Schöpfer dieses Werkes in „Nucleus“ ein solches Unglück vorhergesehen hat: „No Insect, nor Bird, nor Spider alive“ und „Earth's Tombstone is glowing with blue brilliant Fire“ heißt es da prophetisch – kein Insekt, kein Vogel, keine Spinne ist mehr am Leben, der Erde Grabstein glüht mit blau leuchtendem Feuer...

Am 12. November 1978 wurde das Werk von Klaus Haimerl, Guntram Pauli und Christian Kabitz, geschrieben zur Erinnerung an einen früh gestorbenen Musikerkollegen, in München uraufgeführt. Es ist eine Art Wildwechsel zwischen Klassik und Rockmusik. In den 30 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat die Mischung (im Programm werden die von Verdi, Bruckner, Fauré und anderen verwendeten Zitate genannt) nichts von ihrer Faszination verloren.

Spontaner Beifall

Die drei Autoren, Haimerl und Pauli als Sänger und Musiker, Kabitz als Dirigent und Gesamtleiter des Würzburger Bachchors, des Bachorchesters und der Rockband, geben der Totenmesse eine Intensität, die sich manchmal in spontanem Beifall entlud. Das Gegensätzliche von gewaltigen Blechbläser-Wellen und Schlagwerk-Rumoren, von streng gesetzter Orchestrierung und frei fantasierenden Instrumental-Solisten beeindruckte nachhaltig. ...

Zehn Minuten stehender Applaus und als Zugabe „Stay with me, play with me“ aus „Black Dog Cancer“.

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Von Hans-Jürgen Grellmann; MAIN POST vom 28.04.2008

Der vollständige Artikel: MAINPOST

 

Großer Bahnhof in Würzburg:

Zu seinem 30sten Geburtstag wurde das Rock-Requiem erstmals in der neuen Fassung aufgeführt.

Letztes Jahr waren die Komponisten Guntram Pauli, Christian Kabitz und Klaus Haimerl ins ukrainische Lemberg gereist, um dort mit dem Orchester Leopolis und dem Chor Trembita, sowie einigen örtlichen Musikern das neue Rock Requiem als DVD und CD aufzunehmen. Auch die Live-Band und einige Musiker der Urbesetzung nahmen daran teil.

In Würzburg wurde es nun am 26. April, dem 22. Jahrestag des Tschernobyl-Unglücks, in der vollbesetzten St. Johanniskirche der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben Guntram Pauli, Christian Kabitz und Klaus Haimerl war die bewährte Live-Band mit Martin Schuster (fl, kb), Sepp Holzhauser (git), Franz Kufner (b), Reinhold Kampferseck (dr), Jim Holzhauser (perc, vib) und Gerda Windt (voc) im Einsatz, sowie als spezial guests Christoph Pauli (p), Niki Kampa (viol) und die junge ukrainische Sängerin Nastya Kochetova, die auch bei den Aufnahmen in Lemberg dabei war. Das Bachorchester Würzburg mit seinen Solisten und der Bachchor Würzburg unter der Leitung von Christian Kabitz übernahmen den klassischen Part des Requiems. Wobei die klassischen Elemente des Werkes sich so fließend mit den Rock- und Jazz-Elementen mischen, dass eine Trennung von beiden Gattungen eigentlich von vorneherein ausgeschlossen ist.

Als der „musikalische Hausherr“ Kabitz kurz nach 20 Uhr den Taktstock erhob und der Chor das „Requiem aeternam“ anstimmte, wurde die filigrane Größe des Werkes wieder spürbar: Die Zitate aus Verdis Requiem mischten sich mit den ersten E-Gitarrenklängen und der Crossover-Bogen, der sich durch das ganze Werk zieht, wurde angespannt. Bei den Solisten trafen sich Generationen und Kulturen: Nastya Kochetova stieg mit in den Gesang ein. Von Zeit zu Zeit sang auch Guntram Pauli Soloparts oder lieferte sich mit Klaus Haimerl ein kleines Mundharmonika-Duell. Bei den neuen Arrangements fielen vor allem die Bläserparts ins Gewicht. Sie schafften nicht nur eine wohlige Breite im Gesamtklang, sondern setzten auch rhythmische Akzente, vor allem beim Song „Killer in the sun“, der neu als Reggae arrangiert wurde.

Immer wieder ließ die Aufführung Raum für Improvisation, sei es das Querflöten-Intro von Martin Schuster zum „Lacrymosa“, diverse Percussionseinlagen zwischen Pauken und Schlagzeug, Gitarren- oder Klaviersoli oder der Violinpart von Niki Kampa. Schade, dass Saxophonist Zenon Kovpak und Sänger Mario Lehner, die auf der DVD brillant zusammen musizieren, in Würzburg fehlten. Doch die Lücke wurde mit Bravour von anderen Musikern geschlossen. Sie schafften es an diesem Abend, den Spannungsbogen über 80 Minuten zu halten und dem schweren Thema Tod eine musikalische Auseinandersetzung zu geben, die alles andere als niederdrückend war. Und der Schlusschor „We are the salt of the earth“ gibt dem Publikum eine positive Botschaft auf den Weg: „Ihr (Lebenden) seid das Salz der Erde. Vielleicht nur ein winziges Korn, aber ihr werdet es spüren...“

Das Rock Requiem geht im Jubiläumsjahr vermehrt auf Tour und plant auch für 2009 einige Aufführungen mit örtlichen Orchestern und Chören. Es lohnt sich, dieses Werk, das zu Recht seit Jahren als Kult gilt, einmal wieder live zu sehen und zu hören.

Von Volker Gruch; - a5 Musik-Kultur-Christsein - Juni/Juli-Ausgabe 2008

 

 

Rock-Requiem füllte die Kirche

Ramsthaler Filmemacher zieht positive Bilanz

(swg) „Ich bin sehr froh, dass alles geklappt hat.“ Matthias Möldner, Produzent der Neuinszenierung des Rock-Requiems, strahlte nach der Neu-Aufführung des Crossover-Werkes in der Würzburger St. Johanniskirche über das ganze Gesicht.

Der Ramsthaler Filmemacher genoss ebenso wie die beteiligten Künstler des Bach-Chores, des Bach-Orchesters, der Band und die Künstler aus der Ukraine die faszinierende Gänsehaut-Stimmung und den begeisterten Applaus des Publikums in der randvollen Kirche. „Das war erstklassig.“

Möldner filmte die gut eineinhalbstündige Aufführung in Würzburg mit zwei Kameras. „Ich wollte vor allem die Live-Stimmung und die Emotionen der Zuschauer einfangen“, sagte er in einem Gespräch mit der MAIN–POST. Solche Aufnahmen hätten ihm noch gefehlt, da das Material für die CD und für die DVD in der ukrainischen Stadt Liv in Studio-Atmosphäre entstanden sei. Zudem habe er nun mit der Würzburger Aufnahme ein „einmaliges Dokument der Neu-Inszenierung 30 Jahre nach der Uraufführung“.

Die Bilder werden in die High-Definition-Aufnahme einfließen, die Möldner am 9. Mai in Witzenhausen bei Kassel präsentieren wird. „Ein dortiges Programm-Kino hat uns angefragt. Sie wollen das Rock-Requiem zeigen.“ Dafür entwickle er nun ein geeignetes Konzept, so Möldner. Auch Impressionen aus der Ukraine mit dem Making Of der Produktion werden im Kino zu sehen sein.

Von Susanne Wahler Göbel; MAIN POST vom 29.04.2008

Der vollständige Artikel: MAINPOST

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass ich das noch erleben darf ...

Von Frank Bender, RAGAZZI - Online Magazin

Rock Requiem „Concert For Orchestra, Choir And Band“ (Guntram Pauli Music 2008)

Dass ich das noch erleben darf ... ich hatte schon einiges von diesem Projekt, das Werk selbst aber noch nie gehört und da erscheint wie durch ein Wunder eine opulent ausgestattete DVD des sagenumwobenen Rock Requiems in hervorragender Ton- und Bildqualität, das von Guntram Pauli, Christian Kabitz und Klaus Haimerl als Reminiszenz an einen ihrer Freunde, den 1975 im Alter von 26 Jahren verstorbenen Geiger Lothar Thorand, geschrieben wurde, wobei der tradierte Requiemtext um einige Stücke zeitgemäßer Rocklyrik erweitert wurde.

Im Jahr 1978 fand die Uraufführung statt und 1981 erschien die Komposition auf LP...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    Der vollständige Artikel bei:

 
 ragazzi

 

 

 

Komm her, süßer Tod

 

110 Mitwirkende, 800 Zuhörer: Das Rock-Requiem auf der Waldbühne

Neu-Ulm- Eine Aufführung mit Eventcharakter: das Rock-Requiem von Guntram Pauli mit 110 Mitwirkenden auf der Waldbühne der Landesgartenschau Neu-Ulm. Extraklasse trotz Sound-Schwächen. Standing Ovations.

Nicht immer waren alle gut zu hören: Mehr als 100 Mitwirkende führten aus der Waldbühne das "Rock Requiem" auf. Foto: Volkmar Könneke Es strömte. Nicht von oben, sondern das Publikum. Klassik-Liebhaber neben Rock-Fans, Alt neben Jung. Volle Stuhlreihen, volle Hänge in der kühlen Abendsonne, auf der Waldbühne ein imposantes Großaufgebot: Guntram Paulis Rock-Requiem hatte Eventcharakter.

Eine Totenmesse auf der Landesgartenschau? Keineswegs fehl am Platz, dort, wo Wachsen und Vergehen, Blühen und Verwelken zum Kreislauf des Lebens gehören. Eine aufregende Begegnung, die rund 800 Zuhörer in Neu-Ulm mehr und mehr in den Bann zog.

"Der Künstler muss in der Zukunft forschen, im Chaos neue Welten sehen", sagte Giuseppe Verdi. Pauli und seine Ko-Autoren Klaus Haimerl und Christian Kabitz beschritten neue Wege: Rock meets Classic. Ihr Rock- Requiem aus dem Jahr 1978, das den Tod eines Musikerfreundes verarbeitet, ist Kult. Vielleicht auch, weil die Popularmusik zuweilen um Tod und Sterben einen Bogen macht.

Als Pfarrerskind hatte Pauli einige Jahre in Pfuhl gelebt, jetzt machten der Münchner Rocksänger und seine neunköpfige Band aus hammerstarken Profi-Rockern bei ihrem Gastspiel wieder mal gemeinsame Sache mit KMD Wolfgang Gütinger von der Neu-Ulmer Petruskirche: mehr als 100 Mitwirkende aus Kantorei, Gospelchor und Kammerorchester, ergänzt von sechs "Blech.tissimo"-Bläsern. Unter Gütingers souveräner Leitung - in dem zweistündigen Projekt ist er vor allem für die klassischen Teile und lateinische Texte zuständig.

Mit Verdis berühmtem "Requiem" begann der Chor. Die flüsternde Bitte um ewige Ruhe, untermalt von düsterem Pauken-Gegrummel und Streicherschmelz, steigerte sich zum flehenden Aufschrei. Ein melancholisches Piano-Solo von Paulis Bruder Christoph wirkte wie die Ruhe vor dem Sturm. Brachial irritierte der scheppernd verstärkte Sound bei Gerda Windts stimmstarker Ballade "What would you do?" Das "Dies irae" mit Guntram Pauli (Keyboards) und Klaus Haimerl (Gitarre) als vielseitig faszinierenden Frontsängern sowie das Duell der Schlagwerker geriet wahrlich zum Tag des Zornes. Eine spannende Dramaturgie bot die Gegenüberstellung und die Verschmelzung von druckvollem Rock, Jazz-Improvisationen mit tollen Soli (Flötist Martin Schuster) und sakraler Klassik, von Latein-Liturgie und tiefgängigen englischen Songs um Leben, Liebe, Gott, Krankheit und Tod. Besonders im besser ausbalancierten zweiten Teil, der dem Petruskirchen-Großaufgebot gebührendes Gewicht gab; zuvor war er leider meist klanglich untergebuttert worden. Endlich wurde das Potenzial von chorisch-orchestralem Breitwandklang, Streicher-Soli, Bläser-Fanfaren und finessenreichem Power-Rock ausgeschöpft, endlich war sie ungeschmälert da, die Extraklasse.

Stehende Ovationen, dann als Zugabe eine Reminiszenz an Sigi Wachholz, dem vor wenigen Jahren verstorbenen Neu-Ulmer Texter und Schlagzeuger. Auf Deutsch wurde sein bewegender Song "Black dog cancer" (Schwarzer Hund Krebs) mit dem tänzerischen Chor-Refrain "Komm her, süßer Tod!" wiederholt: Der Tod als Erlöser. Gänsehaut unterm Abendhimmel.

Erscheinungsdatum: Montag 16.06.2008

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Fulminante Klangwelten beim Rock Requiem

Neu-Ulm (köd) - Den ganzen Tag über hatten dräuende Wolken es ungewiss gemacht, ob die Aufführung des Rock Requiems auf der Landesgartenschau bei trockenen Bedingungen würde stattfinden können - bis in der letzten Stunde vor Aufführungsbeginn sogar noch die Sonne durch die Wolken brach. Die Menschen strömten zur Waldbühne im Glacis-Teil der Landesgartenschau, so dass bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn alle Stühle belegt waren und sich die Hänge am Bühnenrand zu bevölkern begannen.

Das Rock Requiem, von seinen Musikerfreunden nach dem Tod des jungen Geigers Lothar Thorand komponiert, 1978 in München uraufgeführt, 1981 auf Schallplatte erhältlich und Kult geworden, ist 30 Jahre nach der Entstehung wieder da, und es berührt und fasziniert ein altersmäßig völlig unterschiedliches Publikum mit seiner Vermengung des jahrhundertealten Requiemtextes mit einfühlsamer Lyrik der 70er Jahre, mit dem Crossover aus gregorianischen Gesang und fulminanten Klangwelten wie sie im Donner des "Dies irae" erklingen, mit den anrührenden Texten wie "If love is the answer" oder "Black Dog Cancer".

Bei der von Kirchenmusikdirektor Wolfgang Gütinger geleiteten Aufführung auf dem Landesgartenschaugelände wirkten 110 Musiker und Sänger mit - neben dem Chor verstärkte Kammerorchester der Petruskirche, ein Bläsersextett von "Blechtissimo" und vor allem die Band des Rock Requiems mit den drei Gesangssolisten Gerda Windt, Klaus Haimerl und Guntram Pauli. Denen ist anzumerken, wie viel Freude sie selbst an der Aufführung des von Guntram Pauli, Klaus Haimerl und Christian Kabitz komponierten Werkes (mit Texten des inzwischen verstorbenen Neu-Ulmers Sigi Wachholz und von Klaus Haimerl) haben. Sonderapplaus gibt es für die Querflöten-Soli von Martin Schuster.

Am Ende gibt es Standing Ovations, auf die Chor und Solisten mit Zugaben antworten, darunter der von Klaus Haimerl gesungenen deutschen Version von "Black Dog Cancer". Requiems-DVD Wer die Rock Requiem-Aufführung versäumt hat und es dennoch erleben möchte: Der zum Teil in der Ukraine entstandene Film zum Rock Requiem ist fertig. Die DVD ist im Internet über Guntram Pauli erhältlich.

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Artikel vom 17.06.08 - DAGMAR KÖNIGSDORFER, AUGSBURGER ALLGEMEINE

 

Bebende Mauern, bewegende Momente

 

Das Rock Requiem in der Trierer Basilika berührt Hunderte Zuschauer

Imposant ist der Kirchenraum der Konstantin-Basilika, impo­sant ist auch das Werk für Or­chester, Chor und Band, das an antiker und sakraler Stätte auf­geführt wurde, sowie das über hundertköpfige Ensemble. Das Rock-Requiem von Guntram Paul!, Christian Kabitz und Klaus Haimerl für ihren verstorbenen Freund Lothar Thorand ließ die Mauern erbeben und keine Seele unberührt. 

Trier. (cofi) Fast auf den Tag ge­nau vor 30 Jahren, am 12. Novem­ber 1978, wurde das Rock-Re­quiem in der Münchener Chris­tuskirche uraufgeführt. Nun zählt auch Trier zu den unzähli­gen Stationen, an denen das im­posante Stück sakraler Rock-Mu­sik gespielt wurde. Es ist eine To­tenmesse im klassischen Sinne mit Introitus („Requiem aeter­nam dona eis, Domine'% Kyrie, Dies irae, Offertorium, Sanctus und Agnus Dei, „im Andenken an unseren Freund Lothar Thorand komponiert", der 1975 im Alter von 26 Jahren viel zu früh ver­storben ist. Aber das opulente, klanggewaltige Werk mit dazu komponierter Licht-Symphonie ist „nicht nur traurig, es geht auch um Achtung vor dem Le­ben", sagt Guntram Pauli, einer der Komponisten.

So klassisch die Struktur auch anmutet, wenn auch nicht in li­turgischer Funktion, sondern als Konzertfassung, klassisch ist die Musik nur zum Teil. Die Kompo­sition schafft ein Crossover im besten Sinne, eine Vermischung verschiedener Musikstile - Rock, Jazz, Soul und eben Klassik - zu einer mitreißenden Einheit mit fließenden Übergängen, ohne zum gewöhnlichen Einheitsbrei zu zerfließen. Im Gegenteil, die Kombination funktioniert vom ersten Ton an, saugt das Gefühl des Zuhörers auf, der sich nicht dem Bann verschließen kann, und gibt es ihm, um ein Vielfa­ches verstärkt, zurück.

Schulorchester „hat uns umgehauen"

Ein Paukensolo rührt am Herz­schlag, der Solopart von Quer­flötist Martin Schuster rührt zu Bewunderung - in Beherrschung verschiedener Techniken wie Flatterzunge und Singen und Spielen. Jeder neu angerissene Ton verschmilzt mit dem Wider­hall der vorhergehenden Noten - sieben Sekunden braucht der Schall einmal durch die Basilika und zurück. Und die Wirkung verfliegt auch nicht bis zum letzten Ton, den Band, Orchester und Chor im Gedenken an Texter Sigi Wachholz noch einmal in deutscher Übersetzung von „Black dog cancer" als Song „Freund Tod" anstimmen: ein Stück, das Wachholz, der vor ei­nigen Jahren an Krebs starb, wohl mit prophetischem Blick schrieb. Brilliant die Solisten: Gerda Windt, Nastya Kochetova und Klaus Haimerl.

„Wir haben dieses Werk 30 Jah­re lang mit Profi-Orchestern ge­spielt. Aber es hat uns umgehau­en, was das Orchester des Angela­Merici-Gymnasiums abgeliefert hat", sagt Komponist und Band­leader Guntram Pauli. Auch dem Jugendchor Heiligkreuz, dem Caspar-Olevian-Chor und den Gospel Voices Trier, alle unter Leitung von Manfred Stöckl, ge­bühren der berechtigt anhalten­de Schlussapplaus und die ste­henden Ovationen für eine große musikalische Leistung und die eineinhalbstündige, energiegeladene Aufführung.

Der vollständige Artikel bei: Volksfreund.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sanfte Streicher und harte Rockgitarren

  

ROCK-REQUIEM Klassik und Moderne perfekt vereint – Chorsänger aus der Region

Es wird dunkel. „Requiem“ singt der Chor, begleitet vom düsteren Klang der Streicher und leisen Paukenschlägen. Es sind die Vorboten für eine außergewöhnliche musikalische Reise zwischen Leben und Tod, zwischen moderner Rockmusik und sakraler Klassik. Ganz sachte schleichen sich unter die Streicher und Choräle: E-Gitarre, E-Bass, Keyboard und Schlagzeug.

Die knapp 400 Zuschauer belohnten am Sonnabend im Gorch-Fock-Haus das ROCK REQUIEM“ mit stehenden Ovationen und immer wieder mit spontanem Beifall zwischen den Stücken. Lediglich den formalen Ablauf hat das Werk mit der katholischen Totenmesse gemein. Ansonsten ist Platz für virtuose Instrumentalausbrüche von Rock und Jazz bis Reggae sowie für mitreißende Solisten an der Querflöte, am Vibraphon.  Pauken und Schlagzeug duellieren sich ebenso wie Cello und E-Gitarre. Alles ist möglich.

Immer wieder trifft lateinische Liturgie auf Latino-Rhythmen und Poptexte mit Tiefgang. Gute Englischkenntnisse und ein feines Gehör sind vonnöten, um die Botschaft der prophetischen Texte über Leben, Liebe und Tod zu entschlüsseln. Zudem sind sie oftmals akustisch schwer zu verstehen. Schade eigentlich, denn die vier Vokalisten überzeugen mit ihren facettenreichen Stimmen. Besonders die ukrainische Sängerin Nastya Kochetova brilliert in den ruhigen und souligen Passagen. In ihrer Heimat ist die junge Musikerin längst ein Star.

„Rock-Requiem“-Komponist Guntram Pauli singt ebenfalls, sitzt aber vor allem am Keyboard. 1978 komponierte er das Werk gemeinsam mit Klaus Haimerl und Christian Kabitz zu Ehren ihres früh gestorbenen Musikerfreundes. An Aktualität hat es nicht verloren.

Für das Konzert im Gorch-Fock-Haus hat er ein imposantes Aufgebot von 80 Musikern organisiert. Oben auf der Bühne drängen sich Chor und Orchester, etwas weiter unten stehen die Rockband und die Sänger auf einem schmalen Podest. Neben Paulis neun festen Mitstreitern sorgten das Kammerorchester Ostfriesland für die klassischen Elemente, die im ersten Teil des Konzertes oft im Scheppern des Schlagzeuges untergingen und erst im zweiten Teil verdient dominieren. Sänger des Gospelchores „Free Voices“ aus Hooksiel, der von Mitwirkenden des Segwarder St Georg-Chores verstärkt wird, tragen zum Gelingen der opulenten Musikvereinigung bei. Die Leitung meistert der Wilhelmshavener Axel Scholz souverän.

Am Ende gibt es reichlich Applaus und als Zugabe ein bewegendes Stück aus der Feder des verstorbenen Musikers Sigi Wachholz. Es ist der einzige Text, der für das Konzert ins Deutsche übersetzt wurde: „Black dog cancer“ heißt das Lied – „Schwarzer Hund Krebs“ – das zum Schluss noch einmal für Stille im Publikum und für Gänsehaut sorgt.

STEFAN GIESERS, WILHELMSHAVENER ZEITUNG

 

DVD-Kritik in der „a5 Musik-Kultur-Christsein“

 

 

Nun ist es also endlich verfilmt. 30 Jahre sind seit der Uraufführung des Crossover-Kultwerkes von Guntram Pauli, Christian Kabitz und Klaus Haimerl vergangen. Man glaubt es eigentlich nicht, wenn man die DVD sieht. Denn viele Passagen sind einfach zeitloser, solider Classic-Rock, der kein Stäubchen Patina angesetzt hat, und das Thema des Rock Requiems – der Tod – ist in seinen vielen Facetten aktueller denn je. In Lemberg in der Ukraine wurde mit großem Aufwand die Neueinspielung als CD und DVD verwirklicht. Das besondere daran: Es entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen den ukrainischen Musikern, Ton- und Fernsehtechnikern, die das Werk neu befruchtet hat. Die Arrangements der Stücke wurden kräftig überarbeitet und mit dem „Amen“ zwischen Offertorium und  Hostias sogar eine ganz neue Komposition eingeflochten. Die DVD wird ihrem Anspruch, ein „entschleunigter Videoclip“ zu sein, mehr als gerecht: Neben der Konzert-Aufführung im großen Lemberger Fernsehstudio finden sich Filmsequenzen, Tanzszenen, sowie als Bonustracks noch ein informatives Making of und zwei Tracks auf Deutsch. Der Aufwand hat sich gelohnt: Das Rock Requiem hat zu seinem 30sten den Sprung ins 21. Jahrtausend schadlos überstanden – es lebt mehr denn je durch seine Tiefe und filigrane Größe.
Von Volker Gruch in der Juni/Juli-Ausgabe 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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